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29. Nov. 2025

Vom Konflikt zum Modellfall

DOSSIER. Einst wurde um Sprache und Identität gestritten, heute leben in Südtirol drei Sprachgruppen friedlich zusammen. Südtirol zeigt, wie politische Autonomie Frieden brachte und was andere Regionen davon lernen können.

 

Text: Sophia Reiterer.

Ein Beitrag im neuen MO - Magazin für Menschenrechte.

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Wer heute durch Südtirol reist, begegnet einem Land der Mehrsprachigkeit: zweisprachige Ortsschilder, deutsch- und italienischsprachige Radioprogramme, ladinische Ortsnamen in den Dolomitentälern. Für Besucher:innen wirkt das selbstverständlich, doch dieser idyllisch anmutende Frieden ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen Ringens um Sprache, Identität und politische Selbstbestimmung.

 

Keine einfache Geschichte

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel das bis dahin österreichische Südtirol an Italien. Was auf der Landkarte nur eine Grenzverschiebung war, stellte für die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung eine Zäsur dar: Sie wurde zur Minderheit im eigenen Land. Unter der faschistischen Herrschaft Mussolinis begann eine radikale Italianisierungspolitik: Deutsche und ladinische Schulen wurden verboten, Orts- und Familiennamen italianisiert, Beamt:innenposten an Italiener:innen vergeben. Die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung wurde politisch und kulturell an den Rand gedrängt.

 

Die sogenannte „Option“ – eine 1939 zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschland ausgehandelte Wahlmöglichkeit, die die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung Italiens vor die Option für das Deutsche Reich mit anschließender Emigration oder Verbleib in Italien stellte – hat viele Südtiroler:innen in „Optanten“ und „Dableiber“ gespalten, die sich gegenseitig Verrat an der Heimat, der Sprache und der Kultur vorwarfen.

 

In den 1950er- und 60er-Jahren eskalierte der Konflikt. Die Forderung nach mehr Selbstbestimmung führte zu Spannungen zwischen Rom und Bozen, zu Protesten und schließlich zu Gewalt: Der „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) verübte zahlreiche Anschläge, während der italienische Staat mit harter Hand reagierte. Es war eine Zeit des Misstrauens, der Angst und der Polarisierung.

 

Marc Röggla, Leiter des Center for Autonomy Experience, erklärt: "In Südtirol haben wir ein rigides System mit klaren Regeln, die das Zusammenleben der Sprachgruppen gestalten."

 

Wie es funktioniert

Der Wendepunkt kam mit dem Zweiten Autonomiestatut von 1972. Nach jahrzehntelangen Verhandlungen zwischen Italien, Österreich und Südtirol wurde die Region zur autonomen Provinz mit weitreichenden Selbstverwaltungsrechten. Das Statut legte die Gleichstellung von Deutsch mit der Amtssprache Italienisch fest und verpflichtete Behörden zu Mehrsprachigkeit. In ladinischsprachigen Gebieten ist Ladinisch die dritte Amtssprache Südtirols. Öffentliche Ämter müssen seither nach einem Proporzsystem besetzt werden, das die Sprachgruppen entsprechend ihrer Bevölkerungsanteile berücksichtigt. Dieses Proporzsystem ist das Rückgrat des Südtiroler Minderheitenschutzes. Es gilt nicht nur für die politische Vertretung, sondern auch für die Einstellung in den öffentlichen Dienst und für die Verteilung öffentlicher Ressourcen in den Bereichen Kultur und Soziales, wie zum Beispiel soziale Wohnbauförderungen. Grundlage dafür ist das Sprachgruppenverhältnis, das alle zehn Jahre bei der Sprachgruppenzählung erhoben und als Schlüssel für die Aufteilungsanpassung dient. So wird sichergestellt, dass keine Sprachgruppe systematisch benachteiligt wird. Der Sprachgruppenzählung aus dem Jahr 2024 zufolge fühlen sich rund 69 Prozent der Südtiroler Bevölkerung der deutschen Sprachgruppe zugehörig, rund 27 Prozent der italienischen Sprachgruppe und rund 4 Prozent der ladinischen Sprachgruppe.

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DIE SPRACHGRUPPEN SIND 69 % DEUTSCH, 
27 % ITALIENISCH UND 4 % LADINISCH.

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Heute gilt Südtirol international als Vorbild für gelingenden Minderheiten-schutz. Die Region verfügt über eine funktionierende Mehrsprachigkeit, politische Stabilität und einen hohen Lebensstandard. Doch das Modell entstand nicht über Nacht – und es lässt sich nicht einfach kopieren.

 

Die Grundlage der Autonomie bildet das Gruber-De-Gasperi-Abkommen von 1946, ein Vertrag zwischen Österreich und Italien, der den Schutz der deutschsprachigen Bevölkerung völkerrechtlich absichert. Aus dem Abkommen leitet sich eine sogenannte Schutzfunktion von Österreich für Südtirol ab. Das bedeutet: Wien darf sich auf diplomatischem Weg bei der italienischen Regierung oder in internationalen Gremien einschalten, wenn der Minderheitenschutz in Südtirol gefährdet scheint. Diese Rolle ist keine Einmischung in italienische Innenpolitik, sondern eine Art Garantenfunktion, die Südtirol zusätzliche politische Sicherheit verleiht. Diese internationale Verankerung macht das Südtiroler Modell besonders und verleiht den Autonomiebestrebungen zusätzliche Legitimation.

 

Auch finanziell genießt Südtirol weitgehende Unabhängigkeit. Rund 90 Prozent der im Land erhobenen Steuern verbleiben in der Provinz, was ihr großen Gestaltungsspielraum verschafft. Diese Regelung hat wesentlich dazu beigetragen, dass Südtirol wirtschaftlich aufblühen konnte. Heute gehört die Region zu den wohlhabendsten Italiens.

 

Doch der Erfolg beruht nicht allein auf Geld, sondern auch auf den politischen Strukturen. Die Autonomie ist so konzipiert, dass alle Sprachgruppen gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilnehmen können. In Schulen, Verwaltung und Medien wird Mehrsprachigkeit nicht nur geduldet, sondern gelebt.

 

Professorin für Verfassungsrecht Esther Happacher: "Es reicht nicht, Rechte am Papier zu haben. Man muss sie auch aktiv einfordern."

 

Eigenes Bildungssystem

Ganz besonders sichtbar wird der Minderheitenschutz in der Kultur- und Bildungspolitik. Jede Sprachgruppe verwaltet ihre kulturellen und schulischen Angelegenheiten eigenständig. Jede hat ein eigenes Schulsystem, das den Unterricht in der Familiensprache garantiert und zugleich das Erlernen der anderen Landessprachen als Zweitsprache sicherstellt. In ladinischsprachigen Gebieten werden sowohl Deutsch als auch Italienisch als Zweitsprachen gelehrt. Das Modell soll Identität bewahren, aber auch Verständigung fördern. „Das Recht auf Bildung in der Muttersprache ist ein fundamentales, unverzichtbares Minderheitenrecht“, betont Esther Happacher, Professorin für italienisches Verfassungsrecht an der Universität Innsbruck. Tatsächlich leben die drei Sprachgruppen heute weitgehend friedlich mit- und nebeneinander. Im Alltag begegnen sie sich in Betrieben, in der Politik und im öffentlichen Raum, während der Großteil der Medienwelt, viele Kulturangebote und das Bildungssystem weiterhin getrennt bleiben. Für viele ist das kein Mangel, sondern Ausdruck gelebter Vielfalt. Der Jurist und Leiter des Centers für Autonomy Experience Marc Röggla erklärt: „In Südtirol haben wir ein rigides System mit klaren Regeln, die das Zusammenleben der Sprachgruppen gestalten.“ Dem Experten zufolge zeigen internationale Vergleiche von Autonomie- bzw. Minderheitenschutzmodellen, dass rigide Systeme erfolgreicher seien. Rigide bedeutet im Falle Südtirols etwa die klare Trennung der Schulen oder die Vergabe öffentlicher Posten nach Proporzsystem.

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JEDE SPRACHGRUPPE VERWALTET IHRE KULTURELLEN
UND SCHULISCHEN ANGELEGENHEITEN.

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Autonomie ist in Südtirol jedoch kein starres Konstrukt. Sie wird laufend weiterentwickelt. Derzeit läuft eine Reform des Autonomiestatuts, um Kompetenzen, etwa im Bereich Umweltschutz oder Wildtiermanagement, wiederherzustellen, die nach der italienischen Verfassungsreform von 2001 teilweise verloren gegangen sind. „Südtirol hat immer danach gestrebt, so viel Autonomie wie möglich zu sichern“, sagt Happacher. „Es reicht nicht, Rechte auf dem Papier zu haben. Man muss sie auch aktiv einfordern.“ Dass sich das Südtirol-Modell nicht einfach eins zu eins auf andere Regionen übertragen lässt, betonen alle Fachleute. „Es ist schwierig, Modelle zu exportieren und unmöglich, sie einfach zu kopieren“, sagt Röggla. Denn jedes Autonomiesystem hängt von Geschichte, Verfassung und politischem Klima ab. Trotzdem kann Südtirol Orientierung geben, vor allem durch den politischen Willen, Minderheitenrechte dauerhaft abzusichern und den Dialog offen zu halten. Marc Röggla sieht darin auch eine Verpflichtung: „Unsere Aufgabe ist es, unsere Erfahrungen zu teilen und Dinge anzusprechen, die bei anderen Minderheiten nicht gut laufen.“ So gibt es auch in Südtirol selbst Aufholbedarf beim Schutz anderer Minderheiten, darunter Rom:nja und Sinti:zze. Mit Initiativen wie der europäischen Bürger:inneninitiative Minority SafePack, die 2013 von der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) mit Unterstützung u. a. aus Südtirol ins Leben gerufen wurde und EU-weite Mindeststandards für Minderheitenschutz fordert, bringt sich Südtirol auf internationaler Ebene ein. Die Region zeigt, dass gelebte Vielfalt kein Widerspruch zu Stabilität ist, sondern manchmal deren Voraussetzung. Südtirol ist damit weit mehr als ein touristisches Idyll. Es ist ein politisches Labor, das zeigt, wie aus Konflikt Kooperation werden kann.

 

Sophia Reiterer ist Doktorandin der Kommunikationswissenschaft und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg sowie Teil des Kulturvereins gold extra. Sie stammt aus Südtirol und lebte dort bis zu ihrem 19. Lebensjahr.

 

 

 

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